Fünf vor Zwölf

Gedanken am späten Vormittag:
„Fünf vor Zwölf“

Liebe Zeit
Wer bin ich heut‘?
Wer war ich gestern
Und wer werd ich morgen sein?

Niemand, wenn ich nicht ich bin.
Nur der, den sich die anderen gedacht,
Der ihnen passt,
Weil ich sie lass.

Will niemand mich preisgeben
Und verschenke mich doch jede Sekunde.
Verschleudere das einzige, das ich je wirklich besaß
Und jemals besitzen werde: Mich!

Warum, fragst du?
Vielleicht, weil es so viele tun.
Man mich lehrte, wie man tut
Und was passiert, wenn man nicht tut.

Nein, weil ich zu feige bin.
Zu feige, mich wenigstens selbst nicht zu belügen,
Zu feige, nein zu sagen, wenn sie verlangen
Zu werden wie sie, ihre Lehren zu befolgen.

Zu feige zum Leben.
Nur fähig zuzuschauen und gelebt zu werden.
Unfähig ein Mensch zu sein.
Gerade gut genug für eine Marionette.

Kein Herrscher ohne jemand, der sich beherrschen lässt!
Ich schau auf die Uhr, es ist fünf vor zwölf.
Bald gibt’s Mittag, denke ich.
Leider denken viele so.

 

 

CW 1974

Wünsche …

Es war einmal ein Mann, der auf der Suche nach seinem innigsten Verlangen durch die Welt zog. Er wanderte von Stadt zu Stadt, von einem Reich zum anderen und suchte nach Erfüllung und nach Glücklichsein, aber all sein Umherziehen führte zu nichts.

Eines Tages schließlich setzte er sich erschöpft von seiner Suche unter einen großen Baum am Fuße eines Berges. Er wusste nicht, dass es der Große Wunscherfüllende Baum war. Was immer man sich wünscht, wenn man darunter sitzt, geht sofort in Erfüllung. „Wünsche …“ weiterlesen

Eine kleine Seele spricht zu Gott

Von Neale Donald Walsh

Einmal, vor zeitloser Zeit, da war eine kleine Seele, die sagte zu Gott: „Ich weiß, wer ich bin!“ Und Gott antwortete: „Oh, das ist ja wunderbar! Wer bist du denn?“ Die kleine Seele rief: „Ich bin das Licht!“ Und auf Gottes Gesicht erstrahlte das schönste Lächeln. „Du hast recht“, bestätigte er, „du bist das Licht!“ Da war die kleine Seele überglücklich, denn sie hatte genau das entdeckt, was alle Seelen im Himmelreich herausfinden wollen. „Hey“, sagte die kleine Seele, „das ist ja Klasse!“ „Eine kleine Seele spricht zu Gott“ weiterlesen

Liebesbrief an das Ego

Von Elisabeth Bond

Liebes Ego!

Ich weiß, die Erdenreise machst Du ganz allein, machst alles selber, Tag für Tag, und genau dafür liebe ich Dich, bewundere Dich: für Dein irdisches Selber-Sein, für Dein mechanisches Zuständig-Sein, ohne Ende, Tag für Tag. Selber essen, selber trinken, selber gehen und stehen, selber nach vorne schauen, in Deinem Haus selber nach dem Rechten sehen, sogar selber sterben und dies alles nur, weil es Dein Leben ist. Aber weißt Du was? Sich selber sein heißt am Leben sein. Und das Leben geschieht und geschieht und geschieht. Zugegeben, einfach ist das nicht im polaren Feld der Erde mitten in der Zeit, einfach ist es nicht, auf einem begrenzten Planeten unbegrenzt zu leben, das kann ich klar erkennen. Ich weiß, so vieles ärgert Dich: der Nachbar, die Mutter, die Kinder, der Partner, die Katze, das Wetter, die Börse, die Weltlage, das Alter, das Gewicht, der abgefahrene Bus, die Pflicht, die Wiederholung, das Geld, vor allem das fehlende Geld. „Liebesbrief an das Ego“ weiterlesen