Missbrauch in der katholischen Kirche

 

Der SPIEGEL schreibt in seinem Artikel „Katholische Kirche in Deutschland – Missbrauchsstudie dokumentiert Tausende sexuelle Übergriffe“, laut der ihm vorliegenden Zusammenfassung einer von der Deutschen Bischofskonferenz bestellten, streng vertraulichen Studie

  • seien von 1946 bis 2014 3677 überwiegend männliche Minderjährige Opfer sexueller Vergehen geworden,
  • werden 1670 Kleriker der Taten beschuldigt,
  • waren mehr als die Hälfte der missbrauchten Kinder zum Tatzeitpunkt maximal 13 Jahre alt,
  • kam es in jedem sechsten Fall zu unterschiedlichen Formen der Vergewaltigung,
  • standen drei Viertel der Opfer mit den Beschuldigten in einer kirchlichen oder seelsorgerischen Beziehung,
  • sind die vorliegenden Zahlen sehr konservative Zahlen, wurden Erkenntnisse über das Dunkelfeld nicht erlangt und würden alle Häufigkeitsangaben die tatsächlichen Verhältnisse unterschätzen,
  • gebe es keinen Anlass zur Annahme, „dass es sich beim sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker der katholischen Kirche um eine in der Vergangenheit abgeschlossene und mittlerweile überwundene Thematik handelt“.

Nun stelle man sich mal vor, das alles beträfe nicht die RKK, sondern irgendeinen anderen Verein, irgendeine andere Organisation in Deutschland. Würde diese weiterhin in mehrstelliger Millionenhöhe vom Staat aus Steuergeldern unterstützt? Dürfte sie sich weiterhin um Kinder und Jugendliche kümmern? Hätte sie noch irgendeine moralische/ethische Autorität? Gäbe es sie überhaupt noch?

P.S. Die Veröffentlichung der Studienergebnisse war wohl eine „Indiskretion“

 
Nachtrag vom 14. September 2018 aus einem Bericht der Zeit:

Brisant ist auch, was die Forscher zum Thema Vertuschung zutage förderten. Die Studie besagt: Eine Verdeckung der Tat (einschließlich eines bewusst passiven Verhaltens) durch die katholische Kirche war den Strafakten in 19,7 Prozent der Verfahren zu entnehmen. In der Vergleichsgruppe der Schulen und Sportvereine war dies nur in 3,8 Prozent der Verfahren der Fall.

Quelle: Zeit Online: Sexueller Missbrauch in katholischer Kirche: Auch Täter stiegen auf

Das Mittelalter auf Siegeszug

In diesen Tagen ist viel die Rede vom Terror der IS, der Islamisten. Und immer wieder taucht da auch die Frage auf, warum westlich sozialisierte junge Menschen sich von so etwas begeistern lassen, ja sogar zum Islam übertreten und dann für IS & Co in den Krieg ziehen.

Dass jedoch auch der christliche Fundamentalismus auf dem Vormarsch ist, gerät dabei schnell in den Hintergrund. Die Welle, die da von den USA immer mächtiger zu uns herüber schwappt, wirkt auf den ersten Blick gegenüber der waffenstarrenden Gewalt der Islamisten eher wie versponnene Blumenkinder-Marotten. Wobei der christliche Fundamentalismus in den USA durchaus auch waffenverliebt und auch gewalttätig ist.

Der Dokumentarfilm „Von Göttern und Designern – Ein Glaubenskrieg erreicht Europa“ zeigt die – auch in Deutschland erfolgreichen – Versuche christlicher Fundamentalisten, die Evolutionstheorie als falsch oder unglaubwürdig darzustellen und ihre Glaubenslehre inklusive Homophobie, Kreationismus und Intelligent Design im Biologieunterricht zu verankern.

Einige Zitate aus dem Film:

Das ultimative Ziel ist eine fundamentalistisch-christliche Nation.

Die Redner entwickeln tagelang ihr fundamentalistisches Weltbild. Die Evolutionslehre, das Grundübel dieser Welt, wird mehrfach verflucht. Die Teilnehmer sollen ihr abschwören. Aus der religiösen Veranstaltung wird eine Generalabrechnung mit Homosexuellen, emanzipierten Frauen, überhaupt der ganzen modernen Gesellschaft. Schuld an allem ist auch hier die darwinsche Evolutionstheorie.

Wer Darwin zustimmt, ruft den Zorn Gottes hervor, außerdem Anschläge der Al-Qaida, Wirbelstürme, Tsunamis und in der Vergangenheit die Diktatur Adolf Hitlers. Besonders bei den jungen Zuschauern kommt die Botschaft gut an.

Wir haben uns in den letzten 6 Jahren verdreifacht…

Gerade die vielen jungen begeisterten Menschen, die man im Film sieht, erschüttern mich. Mindestens so wie, dass deutsche Schulbehörden, selbst an öffentlichen Schulen, nichts gegen das Predigen von Kreationismus & Co im Biologieunterricht einzuwenden haben.

Der Mechanismus scheint bei diesen christlichen jungen Menschen der Gleiche wie bei den dem Islamismus huldigenden, oben Genannten zu sein: Die Suche nach Halt und einfachen, klaren „Wahrheiten“ in einer immer komplizierter scheinenden Welt. Wissenschaft, so heißt es, könne diesen Halt nicht bieten, da wissenschaftliche Lehrbücher nicht statisch seien, sie sich immer wieder durch neue Erkenntnisse wandelten. Ganz im Gegensatz zur Bibel, deren Inhalt seit 2000 Jahren praktisch konstant sei. Diese Konstanz wird nicht etwa als Beleg für ein bloßes Dogma, sondern als Beleg ihrer Wahrheit genommen, der Prozess der wissenschaftlichen Erkenntnis und der damit einhergehende Wandel hingegen als Beleg der Unzulänglichkeit und Falschheit von Wissenschaft.

Ein weiterer Film der Autoren von „Von Göttern und Designern – Ein Glaubenskrieg erreicht Europa“ namens „Mit der Bibel zum Abitur“ widmet sich noch einmal speziell der Schulsituation und weist die weitere Ausbreitung kreationistischer Tendenzen an Schulen in NRW nach. (Es geht allerdings nicht nur um Kreationismus, im Konzept dieser Schulen ist z.B. auch der Umgang mit Homosexualität evangelikal – ich denke, ich muss hier nicht weiter ausführen, was das bedeutet.)

Im Konzept der christlichen Georg-Müller-Gesamtschule in Bielefeld heißt es dann auch klar und deutlich:

Einzige Autorität und Richtschnur für Leben und Lehre ist die Bibel, das zuverlässige und wahrhaftige Wort Gottes. […] Von liberaler Theologie und der Betrachtungsweise der historisch-kritischen Methode grenzen wir uns deutlich ab.

In diesem zweiten Film erzählen Kinder, wie ihnen, wenn sie anders denken, mit der Hölle gedroht wird, ist von Eltern die Rede, die Angst haben, sich zu äußern, da der Arm der Schule weit reiche. Eine Lehrerin erzählt, in welche Nöte evangelikal erzogene Kinder im Unterricht öffentlicher Schulen geraten, wenn es um Evolution oder auch Sexualität geht. Dass sie in Klausuren deutlich vermerken, dass sie nur wiedergäben, was gewünscht sei, nicht, was sie tatsächlich dächten, weil das Gewünschte ihrem Glauben widerspräche. Dass sie das Thema Sexualität im Unterricht komplett boykottieren, leere Blätter abgeben, Arbeitsmaterialien unbeachtet liegen lassen. Von Problemen mit muslimischen Schülern, von Burkini und Kopftuch lesen und hören wir fast täglich, aber hiervon?

Und auch hier wieder: Die zuständige Schulaufsicht hat nichts einzuwenden. Im Gegenteil, die Landesregierung begrüßt das Zunehmen solcher Schulen in christlicher Trägerschaft ausdrücklich, sieht sie als „Bereicherung“. Man stehe hilfreich zur Seite und möchte auch nicht „überkrtisch“ prüfen, heißt es wiederum von Seiten der Schulaufsicht.

Der Film „Von Göttern und Designern – Ein Glaubenskrieg erreicht Europa“ schließt mit den Worten:

Die Trennung von Religion und Naturwissenschaft hat unzählige neue Erkenntnisse gebracht und das Europa von heute entstehen lassen. Eine weitgehend demokratische, aufgeklärte Gesellschaft. Wer die Trennung von Religion und Wissenschaft rückgängig macht, setzt nicht mehr und nicht weniger als diese Errungenschaften aufs Spiel.

Dem kann ich mich nur anschließen. Oder um es mal mit den Worten des Theologen  Gerd Lüdemann zu sagen:

Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen.

Wer denkt, all diese uns so selbstverständlich erscheinenden Errungenschaften seien unzerstörbar, unumkehrbar, der irrt.  Sie sind ständig in Gefahr, müssen ständig aufs Neue verteidigt werden. Wer es nicht glaubt, muss eigentlich nur einmal Nachrichten gucken, um sich eines Besseren belehren zu lassen. Fundamentalismus, egal ob islamisch, christlich etc., ist eine Bedrohung für unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft. Egal, ob er als Wolf oder Wolf im Schafpelz daher kommt.

Eine kleine Auswahl weiterführender Links:

Und last but not least der ebenfalls sehr sehenswerte Dokumentarfilm „Mission unter falscher Flagge (Radikale Christen in Deutschland)“:

Schwulenheiler

Zum Beitrag „Die Schwulenheiler“ vorhin in der Sendung „Panorama“ (ARD) kann ich nur sagen: Absolut heftig und unglaublich, dass so etwas hierzulande im Jahr 2014 möglich ist.

Der Film berichtet auch vom „4. Christlichen Gesundheitskongress“ diesen März hier in Bielefeld und zeigt dort einen Arzt (Vorsitzender des Bundes Katholischer Ärzte), der erklärt, Homosexualität sei eine „psychische Störung“, die sich mit „Entgiftung“ und Nosoden (homöopathische Mittel, die aus „krankem“ oder pathologischem Material wie Blut, Eiter, Krankheitserregern oder Krebszellen hergestellt werden, kurz: Schlangenöl, Humbug) heilen ließe und ihre Ursache z.B. in einer Gonorrhoe-, Tuberkulose- oder Syphiliserkrankung der Vorfahren habe… Unfassbarer Unsinn. Es besteht der Verdacht, dass solche Therapien unter „psychische Störung“ oder „lebensverändernde Erkrankung“ mit Krankenkassen abgerechnet werden.

Hauptsponsoren des „4. Christlichen Gesundheitskongresses“ sind evangelische bzw. diakonische Einrichtungen, auch die Techniker Krankenkasse. Bethel ist Werbepartner.

Weitere Infos:

Beitrag bei YouTube:

http://www.youtube.com/watch?v=5XTULKotlco

Bis zur Unkenntlichkeit…

Ein Kommentar von Peter Hahne (TV-Journalist und 1992 bis Oktober 2009 Mitglied des EKD, nun Kuratoriumsmitglied von ProChrist) in ideaSpektrum zur aktuellen EKD-Synode und zum 95. Geburtstag des US-Evangelisten Billy Graham:

„Während der Baptist Billy Graham Luthers Kreuzestheologie bietet, biedern sich Luthers Erben mit einer zahnlosen Ethik an, die vom Felsen-Fundament „sola scriptura“ (allein die Heilige Schrift) eine sandige Wanderdüne der Beliebigkeit übrig lässt. Ohne Sünde keine Sühne, ohne Gericht keine Gnade. So droht denn auch das Lutherjubiläum 2017 zu einem peinlichen Etikettenschwindel zu pervertieren. Der Gott der Zehn Gebote wird zu einem Wohlfühl-Jesus degradiert, der „fünf gerade sein“ lässt. Alles wird gut! Allein die Liebe zählt, egal, wer mit wem und wann wie viel. Damit begibt sich die EKD auf ein Niveau, das das mancher geschäftstüchtiger US-Megakirche noch unterbietet. Stramm mit dem Zeitgeist marschieren, biblische Fakten stören da nur.“

Irgendwie kann ich ihm da ja bezüglich der Erben Luthers nur recht geben: Mit der Bibel, dem NT, auch Luther, hat das heute kaum bis nichts mehr zu tun. Es ist eher ein Säkularismus, der sich nicht traut, den Schritt der letzten Konsequenz zu gehen: Gott endgültig ganz in die Mottenkiste zu legen.

Evangelischer Alleingang

Kirchenjuristen legen ein neues evangelisches Arbeitsrecht vor – ohne Beteiligung der Mitarbeiter. Und ohne Streikrecht.

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Wie sagte der Theologieprofessor Gerd Lüdemann so schön treffend:

„Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen.“

Kirchliche Mitarbeiter müssen elementare Grundrechte, wie Mitbestimmung, das Streikrecht, Religionsfreiheit, Freiheit in der persönlichen Lebensführung usw., weiterhin gegen die Kirchen erkämpfen – im Jahre 2013. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen…