Neues zum Turiner Grabtuch

Luigi Garlaschelli, Chemiker der Universität von Pavia, sagt, er habe in wenigen Tagen eine Reproduktion des „Turiner Grabtuchs„, die alle Eigenschaften des Originals aufweist, hergestellt. Dabei habe er ausschließlich Materialien und Werkzeuge genutzt, über die die Menschen im Mittelalter auch verfügten. Garlaschelli will sein „Grabtuch“ am Wochenende auf einer Konferenz in Pavia vorstellen.

Für die Reproduktion wurde ein Freiwilliger auf einem Leinentuch platziert und mit einem Pigmentfarbstoff, der Spuren von Säure enthielt, eingerieben. Für das Gesicht wurde eine Maske verwendet. Durch Erhitzen in einem Ofen und Waschen wurde die Pigmentfarbe künstlich gealtert, gleichzeitig entfernte der Prozess Teile der Farbe von der Oberfläche und hinterließ ein verschwommenes, abgeschwächtes Bild, vergleichbar dem auf dem „Turiner Grabtuch“. Garlaschelli glaubt, dass bei Letzterem die Farbe auf natürliche Weise durch die Jahrhunderte verblasste. Anschließend wurden der Kopie noch Blutflecken, Brandlöcher, versengte Stellen und Wasserflecken zugefügt, um das endgültige Aussehen zu erreichen.

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Glaube ist Glaube ist Glaube

Wenn ein überzeugter Christ sagt, er glaubt an die Wiederkunft Christi, glaubt er dies auf die gleiche Weise, wie er glaubt, dass Michael Jordan ein Basketball-Spieler war. Wenn ein bekennender Atheist sagt, so etwas wie Gott gäbe es nicht, weiß er das auf die gleiche Art und Weise, wie er weiß, dass Elvis ein Rockstar war.

Eine neue Studie, die vorgestern im Online-Wissenschaftsmagazin PLoS One von Sam Harris (dem Neurowissenschaftler und Autor von „Das Ende des Glaubens: Religion, Terror und das Licht der Vernunft„) und Kollegen veröffentlicht wurde, zeigt, dass unser Gehirn Tatsachen und Überzeugungen in der gleichen Art und Weise verarbeitet.

„Glaube ist Glaube ist Glaube“, sagt Harris. „Wir scheinen das gleiche zu tun, egal, ob wir eine Aussage über Gott oder die jungfräuliche Geburt oder Astronomie akzeptieren.“

Harris, Jonas Kaplan und die anderen Autoren der Studie wollten der sowohl in wissenschaftlichen wie religiösen Kreisen vertretenen These nachgehen, dass unser Gehirn etwas ganz Besonderes tut, wenn wir an Gott glauben, dass religiöser Glaube neurologisch gesehen, ein ganz anderer Prozess als der Glaube an Dinge ist, die empirisch und nachprüfbar wahr (Dinge, die Harris „Tische und Stühle“ nennt) sind. Harris sagt, seine Ergebnisse widersprächen der herrschenden Auffassung, dass im Falle des religiösen Glaubens etwas ganz Besonderes vor sich ginge. Unsere gläubigen Gehirne machten keine qualitativen Unterschiede zwischen dem Lernen in einem Mathematikbuch oder der Sonntagsschule. Auch wenn man die Existenz Gottes nie mittels eines fMRT-Scans beweisen oder widerlegen könne, könne die Studie doch einiges zur Klärung der neurologischen Mechanismen des Glaubens beitragen.

Wenn ein konservativer Christ sage, er glaube an die Wiederkunft Jesu als eine unbestreitbare Tatsache, lüge oder übertreibe er nicht und setze auch kein anderes rhetorisches Manöver ein. Das Gehirn eines Gläubigen verarbeite die Wiederkunft Jesu genauso wie eine Tatsache, daher sei der Sinn von Debatten über den Wahrheitsgehalt des Glaubens mit engagierten Gläubigen ziemlich zweifelhaft.

Für die Studie beobachteten Harris und Kollegen 30 Probanden mittels fMRT-Scans, während sie per Taste religiöse (z.B. „Jesus hat die in der Bibel genannten Wunder tatsächlich vollbracht“) und nicht religiöse (z.B. „Alexander der Große war ein berühmter militärischer Führer“) Aussagen, die auf einem Bildschirm erschienen, mit richtig oder falsch bewerten mussten. Die Probanden teilten sich zur Hälfte in gläubige Christen und Nicht-Gläubige.

Sowohl der Glaube an Gott, Zweifel an Gott wie auch der Glaube an einfach empirisch überprüfbare Tatsachen aktivierte den ventromedialen präfrontalen Kortex. „Wir sind in gewisser Weise, was wir glauben.“ Bei den Tests zeigte sich aber auch, dass die Probanden bei der Bewertung religiöser Aussagen etwas länger zögerten als z.B. bei der historischer Fakten.

Harris sieht seine Studie als einen Schritt zur Entwicklung einer Neuropsychologie der Religion, sie könne aber auch zu unserem Verständnis, wie das Gehirn Erklärungen aller Art als gültige Beschreibungen der Welt akzeptiert, beitragen. Des Weiteren sieht er seine Ergebnisse auch als Aufforderung, dass die Wissenschaft sich dringend mit den großen Menschheitsfragen, Gut und Böse, Ethik, Moral usw. beschäftigen müsse und dies Feld nicht allein den Religionen überlassen dürfe. Je mehr wir wissenschaftlich klärten, wie Menschen denken und leben und was sie glücklich macht, um so mehr echte Informationen bekämen wir, wie wir unser Zusammenleben auf diesem Planeten am besten gestalten.

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Und noch mal: Christen sind ganz anders.

Christliche Arbeitgeber sind auch ganz anders. Das habe ich hier ja schon zig Mal fest gestellt, Stichwort: „Christliche Werte„.

Zusammen sind die Kirchen nach dem Staat der zweitgrößte Arbeitgeber in Deutschland, doch Mitarbeiter in Diözesen und Diakonie haben weniger Rechte als Kollegen in anderen Wirtschaftszweigen. […]

Denn das Grundgesetz gilt innerhalb kirchlicher Einrichtungen nur eingeschränkt. Deren Rechtsstellung regeln vielmehr Staatsverträge – meist aus der Zeit der Weimarer Republik und der Nazi-Diktatur. Diese Regelungen wurden unverändert in die bundesdeutsche Verfassung übernommen – und sie betreffen rund eine Millionen Mitarbeiter. Nach den Staatsbediensteten stellen die Angestellten der beiden großen Kirchen in Deutschland die größte Arbeitnehmergruppe.

Für Verwaltungsangestellte, Kindergärtnerinnen und Sozialarbeiter in kirchlichen Diensten bedeutet dies konkret: Sie haben nur minimale Mitbestimmungsrechte und müssen Einschränkungen ihrer individuellen Freiheiten hinnehmen. […]

Bislang ist es nur die EU-Kommission, die sich des Themas angenommen hat: In einem Brief an die Bundesregierung kritisierte sie den Umgang mit den Kirchen-Angestellten als „mangelhafte Umsetzung der europäischen Gleichstellungsrichtlinie“. Die Kirchen könnten „bestimmte berufliche Anforderung allein aufgrund ihres Selbstbestimmungsrechts festlegen“, bemängelt die Kommission und verlangt zumindest eine „Verhältnismäßigkeitsprüfung“ – also staatliche Vorgaben, welche Kirchenregeln für Pflegekräfte und welche nur für Priester und Geistliche zulässig sind.

Tatsächlich beneiden inzwischen auch die privaten Arbeitgeber die Kirchen wegen ihrer Sonderrechte – vor allem die Einschränkung bei der betrieblichen Mitbestimmung weckt Begehrlichkeiten. So dürfen die Arbeitnehmer im Dienst der Glaubensgemeinschaften keine Betriebsräte wählen, sondern lediglich sogenannte „kirchliche Mitarbeitervertreter“ – und die haben in etwa so viele Rechte wie Schülersprecher. […]

Quelle: Arbeitgeber Kirche: Angestellte in Gottes Hand

Und das alles reicht noch lange nicht, nun möchte man seinen Mitarbeitern auch noch das Grundrecht auf Streik absprechen: Kirche und Diakonie ziehen gegen Streik vor Gericht

Der Tarifstreit zwischen der Diakonie und der Gewerkschaft Ver.di wird jetzt vor Gericht ausgetragen. Diakonie und Kirche in Westfalen haben vor dem Arbeitsgericht Bielefeld eine Klage eingereicht, mit der ein Streikaufruf der Gewerkschaft gerichtlich verboten werden soll. Das teilte die Evangelische Kirche von Westfalen am Donnerstag mit. Man hoffe, dass die Arbeitsrichter feststellten, „dass Arbeitskampfmaßnahmen in Kirche und Diakonie rechtswidrig sind“. Als Folge erwarte man, dass der Streikaufruf von Ver.di verboten werde. Die Unterlassungsklage wurde von der westfälischen Kirche und ihrem Diakonischen Werk, der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL) – dem größten diakonischen Landesverband in Deutschland – sowie mehreren Trägern diakonischer Arbeit eingereicht. Außerdem schlossen sich ihr die hannoversche Landeskirche und ihr Diakonisches Werk an.

Der Theologieprofessor Gerd Lüdemann brachte es mal so sehr treffend auf den Punkt:

Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen.

Und die Kirchen versuchen immer noch – mehr denn je, diesen Schritt rückgängig zu machen…

Christen sind ganz anders

Da gab es mal wieder den Vorwurf des Christenbashing, des Christenhasses. Dabei seien Christen doch an das Gebot der Nächstenliebe gebunden, so richtig nette Leute und überhaupt: Christen sind ganz anders.

Wie soll man eigentlich Christenbashing betreiben, wenn es doch den Christen gar nicht gibt? Sondern nur praktisch unzählige Sekten (Gruppen, Konfessionen… – wie man es nun nennen will), die sich zwar alle auf das gleiche Buch berufen, aber es unterschiedlich auslegen und dabei natürlich immer behaupten, dass nur sie es richtig auslegen und alle anderen falsch.

Fakt ist, es gibt Christen, die Waffen segnen und für Gott in den Krieg ziehen und töten für biblisch/göttlich gerechtfertigt halten. Oder ihre Kinder körperlich zu züchtigen. Oder ihre Kinder zu intoleranten Gotteskriegern auszubilden. Oder Menschen umzubringen, die nicht wie sie gegen Abtreibung, Homosexualität etc. pp. sind. Oder Religionsfreiheit zu verneinen, Demokratie zu verneinen… Oder die Menschenrechte abzulehnen. Und das sind nicht Wenige.

Fakt ist, es gibt Christen, die genau das Gegenteil von dem da oben vertreten. Und das sind auch nicht Wenige.

Letztere sind nicht das Problem. Die sind durch die Aufklärung genügend gezähmt. Die müssten sich dann auch eigentlich von der Kritik an Ersteren nicht angesprochen fühlen. Die tun ja nicht, was da kritisiert wird. Sie fühlen sich auch (meist) nicht angesprochen, wenn es um Verantwortung für diese Christen und ihr Handeln geht. Sie erklären dann gern, die verstünden das Christentum miss. Aber auf eine andere Art fühlen sie sich dann doch angesprochen: Sie empfinden diese berechtigte Kritik eben irgendwie doch nicht als berechtigt und als „Christenbashing“. Christen seien doch schließlich ganz anders. Weil sie sind doch ganz anders.

Religion ist eben beliebig. Da kann man alles behaupten und es für göttlich gegeben erklären. Da Glauben eben nicht belegbar ist, sonst wäre es ja Wissen.

Steven Weinberg hat es treffend formuliert:

Religion is an insult to human dignity. With or without it you would have good people doing good things and evil people doing evil things. But for good people to do evil things, that takes religion.

Und sie alle rechtfertigen sich mit Bibelstellen. Für all das findest du Bibelstellen. Allermeist natürlich auch welche, die diesen wiederum diametral widersprechen.

Die Evangelen sagen, die Katholen irren, die Katholen, die Evangelen, die Evangelikalen, Pius Brüder, Zeugen Jehovas, Neuapostolen … … … wieder, alle anderen irren.

Und so fühlt sich immer gerade der Christ, den du auf irgendein Manko ansprichst, genau für dies Manko nicht verantwortlich. Weil natürlich nur er die Bibel richtig auslegt. Und die anderen völlig falsch.

Ich hatte das Thema, welche der unzähligen Auslegungen denn nun die richtige sei und wer das mit welchem Recht festlegt usw. usf., schon in unzähligen Diskussionen. Das Ergebnis habe ich so verstanden, dass das eben jeder für sich entscheidet oder da nach Belieben eine Autorität auswählt, die das seiner Meinung nach richtig entschieden hat.

Das ist auch nicht das Problem, dass das eine rein menschliche Entscheidung ist. Das Problem ist, dass man diese zu einer göttlichen und damit durch Menschen nicht kritisierbaren, unangreifbaren Entscheidung erhebt, sich damit selbst überhöht, über die anderen stellt und dies göttlich legitimiert. Sozusagen behauptet, man habe Gott mit Löffeln gefressen und deshalb wüsste man (und nur man natürlich), wo es lang gehe und wie es einzig richtig sei.

Das Problem ist, dass die schlechten Christen immer die anderen sind. Das Problem ist, dass der falsche Gott immer der der anderen ist. Das Problem ist, sich auf einen Gott zu berufen.

Bischofskonferenz für Abschaffung des Blasphemie-Paragraphen

twitterte vorhin der hpd und kurz keimte Hoffnung auf, diese Welt könnte doch noch eine bessere werden 😉 Ja, ich weiß, ich bin so naiv und gutgläubig … Für ein paar Sekunden wird man ja noch träumen dürfen 😉

Das fordert „natürlich“ nicht die deutsche Bischofskonferenz für Deutschland oder Europa. Nein. Die pakistanische für Pakistan. Dort sind Christen nämlich eine Minderheit und da sehen sie das „natürlich“ ganz anders, als in Ländern, in denen sie die Mehrheit stellen.

„Auch aus dem Zenit Roms und von Radio Vatikan wird eine entsprechende Abschaffung gefordert.“

Sollten wir da nicht doch erst mal vor unserer eigenen Tür kehren und diesen Paragraphen in Ländern mit christlicher Mehrheit abschaffen? Sowas wie mit gutem Beispiel voran gehen, liebe Christen? In Deutschland? Irland? …

„Dieses Gesetz stellt eine nicht definierte „Beleidigung“ des Islam unter Strafe.“

Ja, das ist so eine Sache mit der Beleidigung religiöser Gefühle. Da habe ich mich hier schon mal zu ausgelassen.

Liebe Christen, guckt doch bitte mal, wie ihr mit Kritik umgeht. Liebe deutsche Christen, guckt ihr mal hier oder hier:

http://www.youtube.com/watch?v=QjJDafTGI6Q

„Ich habe selten so einen Druck, so einen organisierten Druck via Internet, Zeitung und über die politische Bande erlebt …“ „… Morddrohungen …“

Nein, ich möchte die Situation in Pakistan nicht gleich setzen mit der hier. Ich möchte nur nicht, dass solcherlei religiöse Gepflogenheiten gegen Anders-/Nichtgläubige noch mehr als sowieso schon auch hier gepflegt werden. Ich möchte des Weiteren nicht, dass religiöse Politiker ihre politische Macht dazu ge- oder treffender: missbrauchen, ihren Glauben zu privilegieren etc. Denn gerade auch Letzteres ist Alltag in Deutschland.

(Quelle: Bischofskonferenz gegen Blasphemie-Paragraphen)

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