Explaining Religion

Unter dem viel versprechenden 😉 Titel „Explaining Religion“ startete im Herbst letzten Jahres ein EU-Forschungsprojekt, über das diese Tage auch im Economist der Artikel „The science of religion: Where angels no longer fear to tread“ erschien. Darin heißt es (imho recht überschwänglich 😉 ):

But it might be the start of something that will challenge human perceptions of reality at least as much as the billions being spent by the European particle-physics laboratory (CERN) at Geneva.

Nun ja … 😉 Wir werden sehen.

Das zweiseitige PDF „Where do religious thoughts come from?“ bietet einen Einblick, worum es geht.

Gehört die Macht in den Schoss der Irrationalität?

Bezugnehmend auf die Ferkelbuch-Geschichte stand am 09. März in der NZZ (zitiert nach „Die Achse des Guten„) der Artikel „Gefährliche Ferkeleien“, aus dem folgendes Zitat stammt:

Also unabhängig davon, ob das gottlose Kinderbüchlein nun auf die Liste gesetzt ist oder nicht, bleibt die Frage, ob sich über etwas lustig machen ein höher einzustufendes Recht ist, als die beleidigte Wurst zu spielen? Es stimmt, in diesem Kinderbuch sind die Monotheisten nicht respektvoll gezeichnet. Den Atheisten muss man aber zu Gute halten, dass sie bis anhin keinen Respekt verlangt haben. Menschen die an das Irrationale glauben, haben Toleranz verdient, die Frage ist, ob sie auch Respekt verdient haben? Toleranz und Respekt sollten nicht verwechselt werden: Wer Respekt will, will auch Macht. Gehört die Macht in den Schoss der Irrationalität?

Eine Frage, die ich persönlich klar mit Nein beantworte.

„Religion is an insult to human dignity. With or without it you would have good people doing good things and evil people doing evil things. But for good people to do evil things, that takes religion.“ (Steven Weinberg, Physiker)

Genau das ist der Punkt, warum ich mich für eine Trennung von Staat und Kirche (Religion überhaupt), einen wirklich säkularen Staat, der Deutschland eben nicht ist, einsetze. Nicht, um jemand seinen Glauben zu verbieten. Oder gar die positiven Dinge, die im Namen des Glaubens geschehen sind, zu leugnen. Aber die Erfahrung lehrt, dass insbesondere immer dann, wenn Glauben institutionalisiert wird und Macht erhält, eine sehr weltliche Macht, nichts Gutes dabei rauskommt.

Und dass Glauben und Religion eben nicht vor den dunklen Seiten des Menschen schützen, lässt sich auch schön, was das Christentum angeht, in den beiden Bänden von Klaus Scholders Buch „Die Kirchen und das Dritte Reich“ nachlesen.

Vor den dunklen Seiten kann, wenn überhaupt, nur ein aufgeklärter, universaler und vor allem ideologiefreier Humanismus, der den Menschen, seine Würde und grundlegenden Rechte in den Mittelpunkt stellt, schützen.

„Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen.“ (Gerd Lüdemann, Theologieprofessor)

Sapere aude!

Das kleine Ferkel lebt!

Der Indizierungsantrag zum „Ferkelbuch“ des Bundesfamilienministeriums wurde von der Bundesprüfstelle zurückgewiesen.

Gunnar Schedel, Leiter des Alibri Verlags, richtet den Blick bereits nach vorn: „Jetzt erteile ich erstmal den Auftrag zum Druck der vierten Auflage“, meinte er unmittelbar nach der Verhandlung, „und heute Abend geh ich ins Hannebambel und gönn mir nach all dem Stress ein gemütliches Weißbier“.

Quelle: Indizierungsantrag abgelehnt

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