Ich bin kein Mensch

Ein Bischof über Menschen wie mich:

Ohne Religion und ohne gelebte Praxis von Religion gibt es kein Menschsein.

Ruhr- und Militärbischof Franz-Josef Overbeck am 11.5.2012 in Lourdes (Siehe auch hier.)

Ich bin also in seinen Augen kein Mensch.

Anderen das Menschsein absprechen war und ist die Grundlage der abscheulichsten Verbrechen, die Menschen je begangen haben.

Aber Overbeck befindet sich da ja in „guter christlicher“ Gesellschaft. Solcher, die meint, man könne Menschen wie mich, gottlose Menschen als „Tätervolk“ im Rahmen der Menschheitsverbrechen im 20. Jahrhundert bezeichnen.

Ich frage mich: Wenn das Menschsein ausmacht, wenn Menschen so etwas sagen, will ich dann noch Mensch sein?

Das Wort zum Einschlafen

Ihr Sandmännchen nennt ihn Uta Ranke-Heinemann. Und er wirkte wirklich wie ein potentes Schlafmittel.

Wovon ich spreche? Ich habe mir gestern das „Wort zum Sonntag“ vom Papst angesehen. Restlos blutleer und belanglos. Geradezu gruselig. Dies Häufchen Elend in seinem Kostüm auf dem ihm viel zu großen Thron wirkte wie ein Anachronismus sondergleichen. Besser kann man eine sterbende Kirche kaum darstellen.

Ich halte die Papstrede im Bundestag für unangemessen und falsch. Sie gehört da nicht hin.

Doch nach gestern Abend denke ich auch: Vielleicht ist das ja gar nicht so schlecht, dass er da spricht, vielleicht verstehen danach mehr Leute, warum sie da nicht hingehörte. Vielleicht durchschauen danach mehr diesen Mummenschanz. Nun ja: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Beim Papst scheint sie hingegen längst mausetot zu sein.

Das alles hat für mich etwas von einem letzten Aufbäumen, auch von quälenden Lebensverlängerungsmaßnahmen an einem eigentlich längst Toten. Der Zug des Lebens ist schon lange weg. Weit weg.

Jesus im Briefkasten

Mal wieder ist er dort gelandet. Eindringlich und drohend. Mit Zuckerbrot und Peitsche.


Triefend. Einseinself!!!


Wer alles, auch die Rückseiten dieser Zettel, lesen mag, klicke auf das entsprechende Bild. Ich warne euch aber, das tut weh. Richtig weh. 😉

Ich wüsste gern, wer mir immer mal wieder solcherlei zukommen lässt, ich würde ihn glatt auf einen Kaffee oder Kräutertee zu einem Gespräch einladen. Aber leider hat er es vorgezogen, seine Identität im Dunkeln zu lassen …

Sicher beruhigte es ihn, wenn er wüsste, dass auch ich bete, immer öfter flehe: „Herr, schmeiße Hirn vom Himmel, es mangelt!“

Weltweite Bedeutung humanistischer Werte

Unter dem Titel „Freiheit, Toleranz oder Menschenwürde – Über die weltweite Bedeutung humanistischer Werte“ lief im Deutschlandfunk ein interessanter Beitrag, der schön aufzeigt, wo die Grenzen der Religionen liegen und warum humanistische Werte unerlässlich für ein weltweites friedliches Zusammenleben sind:

Vier Jahre erforschten Wissenschaftler wie ein „Humanismus im Zeitalter der Globalisierung“ aussehen könnte. Sie untersuchten, ob Werte universell und über Religionsgrenzen hinweg identisch seien. […]

Klar dürfte sein: der Humanismus geht ins Leere, wenn das, was unter „human“ zu verstehen ist, in das Belieben partikularer Kulturen gestellt wird. Doch gleichzeitig wird klar, dass die unterschiedlichen Sichtweisen auf den Menschen – und seine Rechte – tief, sehr tief, sitzen. Und auf der anderen Seite sind auch unsere „westlichen“ Vorstellungen von Menschenrechten – trotz der vermeintlichen Anerkennung kultureller Unterschiede – in der Praxis kaum verhandelbar. Für uns ist nicht verhandelbar, dass alle Menschen gleich sind. Dass Männer und Frauen gleiche Rechte haben. Dass Staat und Kirche voneinander getrennt sein müssen. Das sieht auch Jörn Rüsen so:

„Moderner Humanismus kann nur ein Humanismus in den Grundlagen einer säkularen Bürgergesellschaft sein. Das wird natürlich von Staaten, die sich islamisch verstehen, bestritten und entsprechend von den dort maßgeblichen Intellektuellen. Nur, es gibt ja Argumente, die ich mit islamischen Theologen diskutiert habe. Ich sag, wie wollen wir verhindern, dass Menschen im Namen Gottes unmenschlich behandelt werden? Dazu brauchen wir eine säkulare Vorstellung, auf die wir uns berufen können, um die Unmenschlichkeit religiös motivierten Verhaltens kritisieren zu können. Darauf hat der nur gesagt, Sie haben Recht. Und ich hab gesagt, dann können wir miteinander ins Geschäft kommen.“

„Es gibt ja Argumente“, wie Jörn Rüsen gerade sagte. Man kann ja diskutieren über einen zukünftigen globalen Humanismus. Erreicht ist er jedenfalls noch lange nicht. Vielleicht sogar weiter entfernt, als man es zum Beispiel nach dem Ende des Kalten Krieges angenommen hatte. Das „Humanismus-Projekt“ war der Versuch, dem drohenden Kampf der Kulturen durch Dialog zu begegnen. Ob man sich dabei wirklich näher gekommen ist – das sieht auch Jörn Rüsen skeptisch – vorerst zumindest.

„Spontan lautet meine Antwort, nein, wir sind einander nicht näher gerückt. Wir haben einander schärfer wahrgenommen in unseren Unterschieden und ich sehe Chancen dass in der Schärfe der Wahrnehmung von ethnozentrischen Tendenzen und auch der verbundene Kritik daran auch eine Chance besteht, das zu überwinden.“

Quelle und mehr dazu: Deutschlandfunk

Sie irren, Herr Hahne!

Oder erzählen Sie so etwas wider besseres Wissen? Weil Sie denken, dass dies die Leser der BildBlöd-Zeitung doch sowieso nicht merken?

Schließlich hat der durch ein ADS-Nervenleiden gelähmte Professor […]

Die Erkrankung heißt Amyotrophe Lateralsklerose – abgekürzt ALS.

Es sollte dem großen Denker Hawking zu denken geben, dass sein großes Idol, der Geistesgigant Albert Einstein, der Begründer der Relativitätstheorie, ein an Gott glaubender Jude war.

Nein, das sollte ihm nicht zu denken geben, aber Ihnen, Herr Hahne, sollte Folgendes zu denken geben, das der Herr Einstein sagte:

“Das Wort Gottes ist für mich nicht mehr, als der Ausdruck und das Produkt menschlicher Schwächen. Die Bibel ist eine Sammlung ehrbarer, aber dennoch primitiver Legenden, welche doch ganz schön kindisch sind. Keine Interpretation, wie feinsinnig sie auch sein mag, kann das (für mich) ändern.

Für mich ist die jüdische Religion wie jede andere der Inbegriff des kindischsten Aberglaubens.”

Und dieses, mit dem er solchen Blödsinn, den Sie da, Herr Hahne, verzapfen, richtig stellt:

“Es war natürlich eine Lüge, was Sie über meine religiösen Überzeugungen gelesen haben, eine Lüge, die systematisch wiederholt wird. Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und ich habe dies niemals geleugnet, sondern habe es deutlich ausgesprochen. Falls es in mir etwas gibt, das man religiös nennen könnte, so ist es eine unbegrenzte Bewunderung der Struktur der Welt, so weit sie unsere Wissenschaft enthüllen kann.”

(Quellen der Zitate und mehr in meinem Beitrag: Einstein und die Religion)

Um so mehr wir die Welt verstehen, um so weniger brauchen wir einen Gott, um sie zu erklären. Das haben tausende Jahre Wissenschaft bisher gezeigt. Dazu hat sowohl Herr Einstein seinen Beitrag geleistet, ebenso wie viele, viele andere Wissenschaftler, ebenso wie auch Herr Hawking.

Wenn der Astrophysiker Hawking nun behauptet, das Universum sei durch die Existenz von Schwerkraft zwangsläufig entstanden, so stelle sich zumindest die Frage, wie denn die Schwerkraft entstanden sei.

Ja, diese Frage stellt sich. Nehmen wir mal an, es gäbe keine andere Antwort auf diese Frage, als dass ein Gott (gar auch noch Ihrer unter den vielen Tausenden, die es da geben soll) der Erschaffer der Schwerkraft sei.

Im Lichte des Wissenschaftsprozesses hat das Christentum (wie auch die anderen Religionen) weite Bastionen der Weltdeutung räumen müssen, sei es durch die Physik, sei es durch die Evolutionsforschung usw. usf. Die bisherigen Ergebnisse der fortschreitenden Hirnforschung zeigen, dass das Christentum (und all die anderen) auch in puncto Mensch und Seele immer mehr Bastionen räumen muss.

Was bleibt also? Ein Gott, der die Schwerkraft erschaffen hat und dann den Dingen seinen Lauf ließ? Weil wir ja gezeigt haben, für andere Erklärungen brauchen wir ihn nicht. Da hat ihn des guten Occams Rasiermesser ratzfatz weg rasiert.

Wovon lebt Ihre Religion, Herr Hahne? Doch wohl vor allem auch von dem Versuch, Ihren Gott zu beeinflussen. Ihn mittels dessen, von dem Sie annehmen, er hielte es für Wohlverhalten, gnädig zu stimmen, ihn mit Gebeten zu bitten, d.h. im Falle Ihres reinen Schwerkraft-Gottes, er möge in das, was er da mit Erschaffung der Schwerkraft in Gang gesetzt hat, eingreifen, seine eigenen Gesetze brechen…

Da können Sie dann statt Ihres Schwerkraft-Gottes genau so gut auch den Mond oder die Sonne oder irgendeinen anderen Stern oder ein Neutron oder Higgs-Boson (dessen Existenz immer noch zig Mal wahrscheinlicher als die eines Gottes ist) oder … anbeten. Die werden genau so viel Anteil an Ihren Wünschen nehmen …

Was bleibt also von Ihrem Christentum, Herr Hahne, wenn für Ihren Gott nur noch die Erschaffung der Schwerkraft bleibt?

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