Moral und Mord im Namen Gottes?

Heute um 22:45 Uhr gibt es in der ARD den Film „Die Hardliner des Herrn – Christliche Fundamentalisten in Deutschland“ von Thomas Jens:

Schluss mit lustig – zurück zur reinen, bibeltreuen Lehre! Zunehmend mehr Christen in Deutschland, vor allem aus dem evangelikalen Spektrum, kämpfen für ein deutlicheres Profil ihres Glaubens. Die biblische Botschaft darf für sie nicht länger der Beliebigkeit ausgeliefert bleiben. Im Extremfall sind sie sogar bereit, ihre Kinder nicht mehr in öffentliche Schulen gehen zu lassen, weil dort Sexualkunde und Evolutionslehre unterrichtet werden. Beides widerspricht in ihren Augen dem Geist der Heiligen Schrift. Inzwischen stehen immer häufiger diese Schulverweigerer im Namen des Herrn vor den Schranken des Gerichts. Sie selbst begreifen sich als Gottes Elite auf Erden, als Retter des christlichen Glaubens und als Kämpfer gegen die Laster der Gegenwart.

Fundamentalismus ist schon länger kein Thema allein für die islamische Religion. Christliche Fundamentalisten – was in den USA seit Jahrzehnten seine Blüten treibt, ist nun auch in Deutschland zunehmend häufiger anzutreffen. Diesen überzeugten Christen gilt Schwulsein als Sünde, Sex vor der Ehe ist ihnen verpönt. Vor allem aber: Sie wähnen sich im Besitz des einzig wahren Glaubens. Ein Dialog ist kaum möglich und Muslime ebenso wie Liberale stellen für sie eine Gefahr dar, gegen die es zu missionieren gilt.

Inzwischen gibt es sogar hierzulande in großen Wirtschaftsunternehmen Führungskräfte, die ungeachtet des geltenden Antidiskriminierungsrechts freimütig bekennen, nur noch Christen einstellen zu wollen. Die Filmdokumentation unternimmt einen Streifzug durch die neue und anwachsende Szene des christlichen Fundamentalismus.

Interessant – nicht nur in diesem Zusammenhang – ist auch das Editorial von M. Spitzer in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Nervenheilkunde“ zum Thema: Moral und Mord im Namen Gottes? – Zusammenhänge, deren Abwesenheit und Aufklärung

Grundsätzlich kommt er, wie auch schon R. Degen in seinem Artikel „Fromme sind nicht besser“ (Bild der Wissenschaft 2/07: 46-49, siehe auch hier), aufgrund diverser Studien zu dem Schluss, dass religiöse Menschen keineswegs moralischer, ethischer, sozialer, mildtätiger etc. handeln als z.B. Atheisten. Dort heißt es z.B.

Religiosität führt, wenn überhaupt, zu mehr Intoleranz

Unter anderem beschreibt er auch die Experimente Brad Bushmans von der Uni Michigan, die der Frage nachgehen:

Wenn es schon keine Zusammenhänge zwischen Religiosität und prosozialen Verhaltensweisen zu geben scheint, so erhebt sich die Frage, wie es um die immer wieder vermuteten negativen Auswirkungen der Religiosität steht. Religion macht aggressiv, so meinen die einen (10); nein, Religion macht Frieden, entgegnen die anderen (15). Was stimmt?

Das Ergebnis der Studien fasst er so zusammen:

Die Studie zeigte also insgesamt, dass Gewalt in religiösen Schriften zu Gewalt in der realen Welt führen kann. Der Effekt ist bei Männern ausgeprägter und von der religiösen Grundeinstellung sowie vom Glauben an die Textquelle abhängig. Männer, die ohnehin deutlich gewalttätiger sind als Frauen, sind zudem empfänglicher für die aggressionsfördernden Auswirkungen religiöser Texte.

(Näheres zu diesen Studien, ihrem Design etc. ist im oben genannten Link nachzulesen.)

Im Grunde genommen ist das natürlich ein Fall für unseren Cpt. Obvious ;-), denn Geschichte und auch Alltag zeigen uns mehr als offensichtlich, dass Religion, was die Verbesserung menschlichen Zusammenlebens angeht, nicht gerade das Gelbe vom Ei ist …