Das Wort zum Einschlafen

Ihr Sandmännchen nennt ihn Uta Ranke-Heinemann. Und er wirkte wirklich wie ein potentes Schlafmittel.

Wovon ich spreche? Ich habe mir gestern das „Wort zum Sonntag“ vom Papst angesehen. Restlos blutleer und belanglos. Geradezu gruselig. Dies Häufchen Elend in seinem Kostüm auf dem ihm viel zu großen Thron wirkte wie ein Anachronismus sondergleichen. Besser kann man eine sterbende Kirche kaum darstellen.

Ich halte die Papstrede im Bundestag für unangemessen und falsch. Sie gehört da nicht hin.

Doch nach gestern Abend denke ich auch: Vielleicht ist das ja gar nicht so schlecht, dass er da spricht, vielleicht verstehen danach mehr Leute, warum sie da nicht hingehörte. Vielleicht durchschauen danach mehr diesen Mummenschanz. Nun ja: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Beim Papst scheint sie hingegen längst mausetot zu sein.

Das alles hat für mich etwas von einem letzten Aufbäumen, auch von quälenden Lebensverlängerungsmaßnahmen an einem eigentlich längst Toten. Der Zug des Lebens ist schon lange weg. Weit weg.

Bildungsferne Männer in die Pflege

Ich hatte mir eigentlich geschworen, mich über Politiker-Bullshit nicht mehr aufzuregen. Weil mir sonst keine Zeit mehr für anderes bleibt…

Aber ich kapituliere. Ich halte das einfach nicht durch.

Kristina Schröder will „mehr Männer für Pflegeberufe begeistern“.

Also ich verstehe auch nicht, warum sich Männer nicht um diesen Beruf reißen. Schließlich gibt es vor allem halbe (damit der Dienstplan schön flexibel für den Arbeitgeber bleibt), unterbezahlte (selbst ein Vollzeitgehalt reicht kaum eine Familie zu ernähren), besonders gern auch befristete Stellen, ist es eine psychisch wie physisch sehr belastende Tätigkeit zu wirklich familienfreundlichen Arbeitszeiten (Wechselschicht, Nacht-, Wochenenddienste…) und zu sehr herausfordernden Arbeitsbedingungen.

Dazu sind die Arbeitgeber überwiegend kirchliche, die ihren ArbeitnehmerInnen grundlegende Rechte wie Religionsfreiheit, Betriebsräte, ordentliche Tarifverträge oder gar das Streikrecht etc. pp. gern vorenthalten. Bei Dumpinglöhnen können sie aber prima mithalten, wenn sie nicht sowieso führend sind.

Also wahrlich etwas für ganze Kerle!

„Gerade solche aus bildungsfernen Schichten, die wegen schlechter Zeugnisse den Einstieg nicht geschafft hätten“, könnten in Pflegeberufen unterkommen, sagte Schröder.

Klar doch. Pflege kann jeder. Selbst, wenn er sonst nichts kann. Kein Ding.

Frau Schröder, Sie sollten besser nicht von ihrem Job auf den der Pflege schließen… Pflege braucht Qualifikation. Ihr Job, nach dem, was Sie so von sich geben, anscheinend nicht. Der braucht wohl vor allem ‚Vitamin B.‘ Und eine gehörige Portion Unverfrorenheit und Selbstüberschätzung.

Schröder warnte, „dass in zehn Jahren mindestens 100 000 Pflege-Fachkräfte fehlen werden“. „Da werden wir gegensteuern“, kündigte sie an und verwies auf ein Maßnahmenpaket, das das Gesundheits- und das Arbeitsministerium derzeit zur Aufwertung des Pflegeberufs entwickelten und in Kürze vorlegen wollten.

Aufwertung?!  Ahja…

Frau Schröder, haben Sie mal jemand gepflegt? Wie schon gesagt: Pflege ist eine sehr verantwortungsvolle und sowohl, was die notwendige Bildung angeht, als auch physisch und psychisch sehr anspruchsvolle Tätigkeit. Völlig unterbezahlt bei unzumutbaren Arbeitsbedingungen.

Wo setzt man dann also sinnigerweise an, um aufzuwerten? Man erklärt Pflege zum idealen Job für „bildungsferne Schichten“. (Allein schon diese Bezeichnung… Wie kam und kommt es denn zu dieser „Bildungsferne“?)

Nicht, dass noch jemand auf die Idee käme, man könnte ordentliche Arbeitsbedingungen und angemessene Löhne einführen…

Ach hätten Sie doch nur den Nuhr gemacht, Frau Schröder…

(Quelle: Deutsches Ärzteblatt)

Weltweite Bedeutung humanistischer Werte

Unter dem Titel „Freiheit, Toleranz oder Menschenwürde – Über die weltweite Bedeutung humanistischer Werte“ lief im Deutschlandfunk ein interessanter Beitrag, der schön aufzeigt, wo die Grenzen der Religionen liegen und warum humanistische Werte unerlässlich für ein weltweites friedliches Zusammenleben sind:

Vier Jahre erforschten Wissenschaftler wie ein „Humanismus im Zeitalter der Globalisierung“ aussehen könnte. Sie untersuchten, ob Werte universell und über Religionsgrenzen hinweg identisch seien. […]

Klar dürfte sein: der Humanismus geht ins Leere, wenn das, was unter „human“ zu verstehen ist, in das Belieben partikularer Kulturen gestellt wird. Doch gleichzeitig wird klar, dass die unterschiedlichen Sichtweisen auf den Menschen – und seine Rechte – tief, sehr tief, sitzen. Und auf der anderen Seite sind auch unsere „westlichen“ Vorstellungen von Menschenrechten – trotz der vermeintlichen Anerkennung kultureller Unterschiede – in der Praxis kaum verhandelbar. Für uns ist nicht verhandelbar, dass alle Menschen gleich sind. Dass Männer und Frauen gleiche Rechte haben. Dass Staat und Kirche voneinander getrennt sein müssen. Das sieht auch Jörn Rüsen so:

„Moderner Humanismus kann nur ein Humanismus in den Grundlagen einer säkularen Bürgergesellschaft sein. Das wird natürlich von Staaten, die sich islamisch verstehen, bestritten und entsprechend von den dort maßgeblichen Intellektuellen. Nur, es gibt ja Argumente, die ich mit islamischen Theologen diskutiert habe. Ich sag, wie wollen wir verhindern, dass Menschen im Namen Gottes unmenschlich behandelt werden? Dazu brauchen wir eine säkulare Vorstellung, auf die wir uns berufen können, um die Unmenschlichkeit religiös motivierten Verhaltens kritisieren zu können. Darauf hat der nur gesagt, Sie haben Recht. Und ich hab gesagt, dann können wir miteinander ins Geschäft kommen.“

„Es gibt ja Argumente“, wie Jörn Rüsen gerade sagte. Man kann ja diskutieren über einen zukünftigen globalen Humanismus. Erreicht ist er jedenfalls noch lange nicht. Vielleicht sogar weiter entfernt, als man es zum Beispiel nach dem Ende des Kalten Krieges angenommen hatte. Das „Humanismus-Projekt“ war der Versuch, dem drohenden Kampf der Kulturen durch Dialog zu begegnen. Ob man sich dabei wirklich näher gekommen ist – das sieht auch Jörn Rüsen skeptisch – vorerst zumindest.

„Spontan lautet meine Antwort, nein, wir sind einander nicht näher gerückt. Wir haben einander schärfer wahrgenommen in unseren Unterschieden und ich sehe Chancen dass in der Schärfe der Wahrnehmung von ethnozentrischen Tendenzen und auch der verbundene Kritik daran auch eine Chance besteht, das zu überwinden.“

Quelle und mehr dazu: Deutschlandfunk

Stuttgart 21 [Update]

Ich will seit Tagen etwas zu diesem Thema schreiben, aber mal fehlten mir die Worte, mal war ich so sauer und wütend, dass ich es lieber ließ.

Inzwischen ist so viel dazu geschrieben worden, dass eigentlich schon alles gesagt ist. Deshalb reduziere ich es mal auf meine Kernfrage an die Verantwortlichen der Politik und Bahn – dieses Bild vor Augen:

Ist es angemessen, ethisch vertretbar, Menschen zu gefährden und zu verletzen, bis hin zu Kindern, die selbst niemand gefährden etc., nur um ein Baurecht durchzusetzen? Wiegt Baurecht mehr als die Unversehrtheit von Menschen?

Mal ganz abgesehen davon, ob diese Menschen sich nun rein juristisch im Recht oder Unrecht befinden.

Werden wir damit dem Bild und den „Leitwerten“ gerecht, die wir anderen Nationen doch so gern als Vorbild predigen?

Und die, die da wie Dreijährige trotzig mit dem Fuß aufstampfen und rotznasig ihr „Das ist aber beschlossen und deshalb ziehen wir das jetzt auf Deibel komm raus durch! Beschlossen ist beschlossen! Basta!“ rufen, möchte ich daran erinnern, dass wir auch den Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen hatten und diese Regierung ihn gerade mit der Laufzeitverlängerung über den Haufen geschmissen hat.

Warum ist hier möglich, was da angeblich unmöglich ist?

Ach ja und der Denkmalschutz für den Stuttgarter Bahnhof wurde auch einmal beschlossen und nun wiederum wurde sein Abriss beschlossen.

Wenn wir nach 15 Jahren feststellen, dass sich die Bedingungen entscheidend verändert haben, uns damals wichtige Informationen vorenthalten wurden usw. usf., wie es nun mal in Stuttgart ist, ist es meiner Meinung nach sogar höchste Pflicht, den Bau neu zu überdenken, die Pros und Contras neu zu bewerten und abzuwägen.

Mal eine paar Links, die mir die letzten Tage so über den Moni geflimmert sind:

Und nun noch ein paar Bitten:

In Stuttgart ist es „nur“ ein Bahnhof. Richtig. Aber, was da abgeht, zeigt meines Erachtens schön, was in unserer so genannten Demokratie schief läuft.

Alle vier, fünf Jahre mit einem Kreuz einen Blankocheck ausstellen und dann Schnauze halten, auf jeden Fall nur so laut aufmucken, dass es den – „demokratischen“ – Ablauf nicht weiter stört. Man hat mit seinem Kreuz schließlich alles demokratisch legitimiert, was nun läuft.

Damals, als diese Demokratie entworfen wurde, als die Wege noch weit waren und das schnellste der Gefühle das Dorftelefon, da mag das ja alles angemessen gewesen sein, aber heute??

Warum kommen die Politiker – unsere gewählten Vertreter – nicht mal von sich aus auf uns zu und bieten – insbesondere bei solchen Großprojekten auch – Volksabstimmungen an? Warum bieten sie uns nicht schon lange direktere Mitwirkungsmöglichkeiten an? Warum müssen wir die uns geradezu erbetteln?

Guck sich doch nur mal einer an, was aus den erfolgreichsten ePetitionen der letzten Zeit geworden ist… Das ist we’ll see „Politik“. Nörgelnde, lästige Kids abspeisen.

Ach ja, heute ist der 3. Oktober… Prost Mahlzeit!

.

Update 4.10.10:

Gedächtnisprotokoll des Mannes, der vom Wasserwerfer schwer verletzt wurde (dessen Bild ich auch eingangs verlinkt habe): http://blog.neu3no.de/2010/10/gedach…letzten-herrn/

Unbedingt lesenswert! Bericht in der ZEIT: Stuttgart 21 – Ausgetrickst und abgekanzelt

Sie irren, Herr Hahne!

Oder erzählen Sie so etwas wider besseres Wissen? Weil Sie denken, dass dies die Leser der BildBlöd-Zeitung doch sowieso nicht merken?

Schließlich hat der durch ein ADS-Nervenleiden gelähmte Professor […]

Die Erkrankung heißt Amyotrophe Lateralsklerose – abgekürzt ALS.

Es sollte dem großen Denker Hawking zu denken geben, dass sein großes Idol, der Geistesgigant Albert Einstein, der Begründer der Relativitätstheorie, ein an Gott glaubender Jude war.

Nein, das sollte ihm nicht zu denken geben, aber Ihnen, Herr Hahne, sollte Folgendes zu denken geben, das der Herr Einstein sagte:

“Das Wort Gottes ist für mich nicht mehr, als der Ausdruck und das Produkt menschlicher Schwächen. Die Bibel ist eine Sammlung ehrbarer, aber dennoch primitiver Legenden, welche doch ganz schön kindisch sind. Keine Interpretation, wie feinsinnig sie auch sein mag, kann das (für mich) ändern.

Für mich ist die jüdische Religion wie jede andere der Inbegriff des kindischsten Aberglaubens.”

Und dieses, mit dem er solchen Blödsinn, den Sie da, Herr Hahne, verzapfen, richtig stellt:

“Es war natürlich eine Lüge, was Sie über meine religiösen Überzeugungen gelesen haben, eine Lüge, die systematisch wiederholt wird. Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und ich habe dies niemals geleugnet, sondern habe es deutlich ausgesprochen. Falls es in mir etwas gibt, das man religiös nennen könnte, so ist es eine unbegrenzte Bewunderung der Struktur der Welt, so weit sie unsere Wissenschaft enthüllen kann.”

(Quellen der Zitate und mehr in meinem Beitrag: Einstein und die Religion)

Um so mehr wir die Welt verstehen, um so weniger brauchen wir einen Gott, um sie zu erklären. Das haben tausende Jahre Wissenschaft bisher gezeigt. Dazu hat sowohl Herr Einstein seinen Beitrag geleistet, ebenso wie viele, viele andere Wissenschaftler, ebenso wie auch Herr Hawking.

Wenn der Astrophysiker Hawking nun behauptet, das Universum sei durch die Existenz von Schwerkraft zwangsläufig entstanden, so stelle sich zumindest die Frage, wie denn die Schwerkraft entstanden sei.

Ja, diese Frage stellt sich. Nehmen wir mal an, es gäbe keine andere Antwort auf diese Frage, als dass ein Gott (gar auch noch Ihrer unter den vielen Tausenden, die es da geben soll) der Erschaffer der Schwerkraft sei.

Im Lichte des Wissenschaftsprozesses hat das Christentum (wie auch die anderen Religionen) weite Bastionen der Weltdeutung räumen müssen, sei es durch die Physik, sei es durch die Evolutionsforschung usw. usf. Die bisherigen Ergebnisse der fortschreitenden Hirnforschung zeigen, dass das Christentum (und all die anderen) auch in puncto Mensch und Seele immer mehr Bastionen räumen muss.

Was bleibt also? Ein Gott, der die Schwerkraft erschaffen hat und dann den Dingen seinen Lauf ließ? Weil wir ja gezeigt haben, für andere Erklärungen brauchen wir ihn nicht. Da hat ihn des guten Occams Rasiermesser ratzfatz weg rasiert.

Wovon lebt Ihre Religion, Herr Hahne? Doch wohl vor allem auch von dem Versuch, Ihren Gott zu beeinflussen. Ihn mittels dessen, von dem Sie annehmen, er hielte es für Wohlverhalten, gnädig zu stimmen, ihn mit Gebeten zu bitten, d.h. im Falle Ihres reinen Schwerkraft-Gottes, er möge in das, was er da mit Erschaffung der Schwerkraft in Gang gesetzt hat, eingreifen, seine eigenen Gesetze brechen…

Da können Sie dann statt Ihres Schwerkraft-Gottes genau so gut auch den Mond oder die Sonne oder irgendeinen anderen Stern oder ein Neutron oder Higgs-Boson (dessen Existenz immer noch zig Mal wahrscheinlicher als die eines Gottes ist) oder … anbeten. Die werden genau so viel Anteil an Ihren Wünschen nehmen …

Was bleibt also von Ihrem Christentum, Herr Hahne, wenn für Ihren Gott nur noch die Erschaffung der Schwerkraft bleibt?

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