Mehr Steuern für mehr Tierwohl?

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Ich habe Urlaub und damit Muße, das Lieblingssommerlochthema 2019 aufzugreifen 😉

Mehrwertsteuer auf Fleisch für mehr Tierwohl und Umweltschutz von 7 auf 19% erhöhen? Bringt das was?

Mal abgesehen von dem sowieso völlig unlogischen Mehrwertsteuerdschungel im Lebens-/Genussmittelbereich, der dringend mal kräftig durchforstet werden sollte, wie soll diese Mehrwertsteuererhöhung mehr Tierwohl und Umweltschutz bringen?

Zweckgebundene Steuern dürfen nicht erhoben werden:

»Steuern dürfen zudem nicht zweckgebunden sein: Jeder Steuer-Euro fließt unabhängig von der Steuerart in die Gesamtmasse des Haushalts, aus dem wiederum alle Ausgaben finanziert werden. Denn alle Einnahmen im Etat müssen zur Finanzierung aller Ausgaben dienen. Es gibt also keinen separaten Straßenbauhaushalt, der sich ausschließlich aus dem Aufkommen der Kfz-Steuer speist. Und angenommen, die Einnahmen aus der Kfz-Steuer würden tatsächlich ausschließlich für den Straßenbau verwendet: Stiegen dann einmal die Kfz-Steuereinnahmen, müssten vermehrt Straßen gebaut werden, nur um das „überschüssige“ Geld loszuwerden. Umgekehrt müssen diejenigen keine Steuern zahlen, die – wie es im Amtsdeutsch heißt – einen bestimmten „Tatbestand“ nicht erfüllen. Das bedeutet: Wer kein Auto besitzt, muss auch keine Kfz-Steuer bezahlen.«

Bundeszentrale für politische Bildung


Was ist also die Folge? Fleisch, das bereits jetzt teurer ist, weil die Erzeuger mehr in Tierwohl investieren (gute Beispiele gibt es, siehe Aktivstall für Schweine), wird dann noch teurer. Ich vermute mal, im Übrigen wird die Mehrwertsteuererhöhung überwiegend dadurch aufgefangen, dass Discounter & Co die Erzeugerpreise weiter drücken und vermehrt billiges Fleisch aus dem Ausland importiert wird. Beides wird sicher nicht zu mehr Tierwohl und Umweltschutz beitragen.

Was würde wirklich was bringen? Sicher auch entsprechende Tierschutzgesetze und ausreichend Personal, diese zu überwachen (sinnigerweise in ganz Europa). Vor allem aber mit den Erzeugern zusammenarbeiten, mit ihnen zusammen beraten, was sofort, mittel – und langfristig wie umsetzbar ist. Ihnen helfen beim Stallumbau, z.B. durch zinslose Kredite etc. Und dieses Blödsinn-Baurecht abschaffen, das Landwirte daran hindert, ihre Ställe umzubauen etc., damit die Tiere bessere Haltungsbedingungen bekommen. Gerade Letzteres ist nämlich bei diversen Landwirten, die ich kenne, ein Problem. Sie würden gern, aber dürfen nicht.

Sehr hilfreich wäre auch ein Verbraucher, der grundsätzlich möglichst nichts weg wirft, nicht nur die edelsten Teile essen will (Stichwort Nose-to-Tail) und sich dafür interessiert, woher seine Lebensmittel kommen und wie sie produziert wurden. Das betrifft nicht nur Fleisch und tierische Produkte, auch pflanzliche und blödsinnige Hypes möglichst exotischer Sachen, die vor Ort viele Ressourcen verbrauchen und dann noch um die halbe Welt aufwändig transportiert werden. Oder Gemüse, das überwiegend aus Wasser besteht, gerade dort zu produzieren (mittels moderner Sklaven), wo bereits Wasser knappes Gut ist und sie dann noch weit hier her zu transportieren.

Aber die Realität (und wie sehr gerade die Erzeuger zu kämpfen haben, die mehr Tier- und Umweltschutz umsetzen) zeigt, dass dieser Verbrauchertypus eher rar ist. Wenn schon Steuern, wäre es sicher besser, das Steuersystem grundsätzlich dahin zu reformieren, dass z.B. Ressourcenverbrauch und Nachhaltigkeit berücksichtigt werden.

Was bringt es also? Pro Haushalt soll es etwa 60€ im Jahr mehr kosten. Wer sich bis heute teureres Fleisch leisten kann, dem werden 60€ im Jahr wohl kaum was ausmachen, er wird deshalb kaum weniger Fleisch essen. Wer jetzt schon jeden Cent drei Mal umdrehen muss, wird eher auf billigeres Fleisch ausweichen, wem es vor allem um den Preis geht, sowieso. Wird deshalb weniger konsumiert? Wage ich sehr zu bezweifeln. Wird deshalb mehr Fleisch tierwohlgerecht produziert? Wohl kaum.

Und die Steuermehreinnahmen? Werden irgendwo versickern. Sicher am unwahrscheinlichsten im Schweinestall, um dort auch nur für 10 cm mehr Platz zu sorgen.

Kurz: Aus meiner Sicht reine Effekthascherei, purer Aktionismus, der am Ende zwar das Steuersäckel mehr füllt, aber weder den Tieren noch der Umwelt wirklich etwas bringt.

Just my 2 Cents.

Missbrauch in der katholischen Kirche

 

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Der SPIEGEL schreibt in seinem Artikel „Katholische Kirche in Deutschland – Missbrauchsstudie dokumentiert Tausende sexuelle Übergriffe“, laut der ihm vorliegenden Zusammenfassung einer von der Deutschen Bischofskonferenz bestellten, streng vertraulichen Studie

  • seien von 1946 bis 2014 3677 überwiegend männliche Minderjährige Opfer sexueller Vergehen geworden,
  • werden 1670 Kleriker der Taten beschuldigt,
  • waren mehr als die Hälfte der missbrauchten Kinder zum Tatzeitpunkt maximal 13 Jahre alt,
  • kam es in jedem sechsten Fall zu unterschiedlichen Formen der Vergewaltigung,
  • standen drei Viertel der Opfer mit den Beschuldigten in einer kirchlichen oder seelsorgerischen Beziehung,
  • sind die vorliegenden Zahlen sehr konservative Zahlen, wurden Erkenntnisse über das Dunkelfeld nicht erlangt und würden alle Häufigkeitsangaben die tatsächlichen Verhältnisse unterschätzen,
  • gebe es keinen Anlass zur Annahme, „dass es sich beim sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker der katholischen Kirche um eine in der Vergangenheit abgeschlossene und mittlerweile überwundene Thematik handelt“.

Nun stelle man sich mal vor, das alles beträfe nicht die RKK, sondern irgendeinen anderen Verein, irgendeine andere Organisation in Deutschland. Würde diese weiterhin in mehrstelliger Millionenhöhe vom Staat aus Steuergeldern unterstützt? Dürfte sie sich weiterhin um Kinder und Jugendliche kümmern? Hätte sie noch irgendeine moralische/ethische Autorität? Gäbe es sie überhaupt noch?

P.S. Die Veröffentlichung der Studienergebnisse war wohl eine „Indiskretion“

 
Nachtrag vom 14. September 2018 aus einem Bericht der Zeit:

Brisant ist auch, was die Forscher zum Thema Vertuschung zutage förderten. Die Studie besagt: Eine Verdeckung der Tat (einschließlich eines bewusst passiven Verhaltens) durch die katholische Kirche war den Strafakten in 19,7 Prozent der Verfahren zu entnehmen. In der Vergleichsgruppe der Schulen und Sportvereine war dies nur in 3,8 Prozent der Verfahren der Fall.

Quelle: Zeit Online: Sexueller Missbrauch in katholischer Kirche: Auch Täter stiegen auf

Wer nichts zu verbergen hat, …

Augenpaar… hat nichts zu befürchten!

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Richtig, das ist ein sehr dummer Spruch. Allerdings kommt er besonders gern von denen, die das nun, wenn es um Höcke geht, plötzlich ganz anders sehen.

Bei Heise gibt es einen sehr guten, lesenswerten Artikel zur Höcke-Aktion des Zentrums für politische Schönheit (ZPS), der schön die Verlogenheit um das Thema Überwachung thematisiert:

Protest gegen Höcke: Endlich reden alle von Überwachung

Während die anlasslose Überwachung aller Bürger immer weiter voranschreitet, löst ausgerechnet die vom Zentrum für politische Schönheit behauptete Überwachung von Deutschlands bekanntestem Rechtsradikalen Proteststürme aus. Hier hängt etwas gewaltig schief.

Wo blieb der Aufschrei derjenigen, die jetzt schreien, als das Auslesen von Handys und Datenträgern von Geflüchteten Standard wurde, wo blieb er bei der anlasslosen Aufzeichnung / Vorratsdatenspeicherung, bei den Unmengen Überwachungskameras auf Bahnhöfen, öffentlichen Plätzen etc., Gesichtserkennung, massenhaften Funkzellenabfragen, Speicherung von unseren Flugbewegungen, Überwachung und Aufzeichnung internationaler Datenverkehre, der staatlichen Aufrüstung mit Trojanern, um Verschlüsselung zu umgehen usw. usf.?

Und dann kommt das ZPS mit dieser, meiner Meinung nach, genialen und einfach geilen 😉 Aktion! Chapeau! Weiter so!

Bist auch du schon ein Nashorn?

Guter, lesenswerter Artikel von Andreas Püttmann:

Die Nashörner kommen – Menetekel einer rechtskonservativen Radikalisierung – in vier Szenen

„Die Bundesrepublik Deutschland steht zum ersten Mal in ihrer Geschichte vor einer wirklich existentiellen Herausforderung. Auch langjährigen Kämpfern gegen einen dominanten linken „Zeitgeist“ sollte inzwischen dämmern: “Der Feind steht rechts”. Er agiert verbissen, autoritär, emsig, rachsüchtig. Er ist ein chronisch beleidigter Held der eigenen Meinungsfreiheit, dem Selbstdistanz fremd ist und Kritik allzu schnell als „Verleumdung“ erscheint. Er ist kein Menschenfreund, sondern Ordnungsfanatiker.“

Den Autor darf man getrost nicht gerade der „linksgrünversifften“ Szene zuordnen 😉 Daher sollten auch Konservative, Gläubige & Co den Artikel lesen können, ohne gleich Herzattacken und Schlimmeres zu erleiden 😉

„Einstige Mitstreiter werden einem plötzlich fremd, haben sich binnen weniger Jahre oder gar Monate radikalisiert, manchmal geradezu als wären sie durch eine Gehirnwäsche gegangen. Sie adaptieren den typischen neurechten Jargon mit Signalwörtern wie „Altparteien“, „Systemlinge“, „Meinungsdiktatur“, „Merkel-Regime“, Mainstream-Medien“ oder gleich „Lügenpresse“, „Gleichschaltung“, „Scheindemokratie“, „US-Vasallen“, „Homo-Lobby“, „Asylindustrie“ usw.“

Leider muss ich das auch in meinem Umfeld feststellen, leider lässt sich diese Entwicklung auch allgemein in der säkular-humanistischen Szene beobachten. Wobei mir völlig schleierhaft ist, wie man dergleichen auch nur rudimentär mit Humanismus unter einen Hut bringt.

Die längste Nacht des Jahres

candle-534215_640Vielleicht ist es euch ja entgangen, aber heute ist die längste Nacht des Jahres – Wintersonnenwende. Um 00:03 Uhr MEZ begann damit auch der astronomische Winter.

Die Sonne hat nun im Jahreslauf ihren tiefsten Stand in Bezug auf den Meridiandurchgang erreicht und macht sich von ihrer südlichsten Deklination wieder auf den Weg nach Norden in Richtung des Äquators. Weil der größere Teil der täglichen Sonnenbahn unterhalb des Horizonts liegt, war heute der kürzeste Tag und erleben wir nun die längste Nacht. 

Schon in prähistorischen Zeiten haben unsere Vorfahren die Sonne und diese Zeit des wiederkehrenden Lichts gefeiert. Bereits damals hatten die Menschen die essentielle Bedeutung der Sonne für das irdische Leben erkannt und verehrten sie entsprechend. Die länger werdenden Tage nach der Wintersonnenwende verkörperten die Wiedergeburt des Lichtes und damit auch den Beginn der Auferstehung des Lebens, was sich vielfältig in Mythologie und Ritus niederschlug.

Steinzeitliche Kultstätten, wie z.B. Stonehenge, erfassten ebenfalls diesen Zeitpunkt und sogar schon der Turm von Jericho aus dem 9. Jahrtausend vor der Zeitenwende deutet auf die Kenntnis der Sonnenwende hin. Auch auf der Himmelsscheibe von Nebra aus der Bronzezeit ist die Sonnenwende dokumentiert.

In vielen antiken und frühmittelalterlichen Kulturen war die Wintersonnenwende am 21./22. Dezember ein wichtiges Fest, welches man an den Tagen um diesen Zeitpunkt herum feierte. Zur Zeit des Julianischen Kalenders lag sie auf dem 25. Dezember. Symbole waren z.B. immergrüne Pflanzen, der viergeteilte Jahreskranz, der für die beiden Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen, die vier Jahreszeiten stand, aber natürlich vor allem das Licht, ob nun als loderndes Feuer oder stiller Kerzenschein.

Das Licht war insbesondere für die Menschen im Norden, wo die Winternächte besonders lang und kalt sind, ein wichtiges Symbol der Hoffnung. So dunkel und lang und kalt die Nacht auch sein mochte, das Licht würde zurückkehren und mit ihm die Wärme. Gutes Essen, Geschenke und vor allem die Geborgenheit in der Familie gehörten sicher auch damals schon dazu 😉

Den dunklen, kalten Winter konnten unsere Vorfahren nur gemeinsam überstehen, indem sie einander halfen und füreinander sorgten. Vielleicht stammt auch aus dieser Erkenntnis das Friedensgebot für diese Zeit sowie das Gebot, auch an die armen und benachteiligten Menschen zu denken.

Wie immer ihr auch diese Tage feiern möget, ob Chanukka, Weihnachten, ob religiös oder säkular, ich wünsche euch eine wunderschöne und harmonische Zeit im Kreise eurer Lieben und vergesst die nicht, die es nicht so gut wie wir getroffen haben. Weiter kommen wir immer nur gemeinsam, das hat uns schon während unserer Evolution so erfolgreich gemacht 😉

Die Nacht ist für mich übrigens, seit ich denken kann, die schönste Tageszeit. Und so liebe ich diese langen Nächte des Winters ganz besonders. Ihre Stille (wenn es nicht gerade stürmt wie jetzt 😉 ) und ihre Dunkelheit, die die Weiten des Alls sichtbar werden lässt, geben mir ein ganz besonderes Gefühl der tiefen Verbundenheit mit allem.