Glaube & Wahrheit

Vor nunmehr über einem Vierteljahrhundert (hach wie das klingt! 😉 ) entdeckte ich diesen Text, der seit dem zu so etwas wie meinem Lebensmotto oder auch meiner „Gebrauchsanweisung“ für den Umgang mit dieser Welt wurde:

Der Sohn des Kesa aus Kalamo kam einmal zum Buddha und klagte: „Meister, jeder Priester und Mönch erhebt mir gegenüber seinen Glauben zum einzig wahren und verurteilt den Glauben der anderen als falsch. Zweifel quälen mich, weil ich nicht weiß, welchen Worten ich folgen soll.“

Der Buddha erwiderte: „Deine Zweifel sind gerechtfertigt, Sohn des Kesa. Höre meinen Rat: Glaube nichts auf bloßes Hörensagen hin; glaube nicht an Überlieferungen, bloß, weil sie alt und durch viele Generationen gegangen sind; glaube nichts aufgrund von Gerüchten oder weil viel darüber geredet wird; glaube nichts, bloß, weil es ein alter Weiser bezeugt; glaube nie etwas, weil Vermutungen oder langjährige Gewohnheit dich verleiten es für wahr zu halten; glaube nichts auf die bloße Autorität deiner Lehrer und Geistlichen hin.

Was jedoch nach eigener Erfahrung und Untersuchung mit deiner Vernunft übereinstimmt und zu deinem eigenen Wohle und Heile wie zu dem aller anderen Wesen dient, das nimm als Wahrheit und lebe danach!“

(Anguttara Nikayo)

Dazu passt schön ein Zitat von Max Kruse aus seinem Buch „Die behütete Zeit„:

Ist der Glaube, die von Beweisen unabhängige Gewissheit, nicht vielleicht die gefährlichste aller menschlichen Fähigkeiten …? Denn der Glaube mordet nicht nur, er liefert auch noch die Rechtfertigungen für das Morden und verleiht ihm eine höhere Weihe. Und wenn der Glaube die gefährlichste Eigenschaft ist, so ist der Zweifel die segensreichste, denn der Zweifel tötet nie, er unterdrückt nie, er zündet keine Scheiterhaufen an, er lässt leben, lässt gewähren und duldet.

Der Zweifel ist mein treuester Freund 😉

Ich werde öfter mal gefragt, ob ich Atheistin sei.

Ich nenne mich immer mal wieder vereinfachend selbst so, aber ganz so einfach ist das, je nach Definition von „Atheist“, nicht. Mein Weltbild ist ein naturalistisches, ich glaube nicht an Übernatürliches und damit auch nicht an einen Gott oder viele Götter. Bisher gibt es keinen (intersubjektiv nachvollziehbaren) Beleg für die Existenz eines Gottes, wobei es ja noch nicht mal eine eindeutige Definition von Gott gibt. Es ist daher extrem unwahrscheinlich, dass es Gott gibt. Unmöglich ist es natürlich auch nicht, auf die gleiche Art, wie es nicht unmöglich ist, dass es unsichtbare rosarote Einhörner gibt 😉

Da ich „nur“ sagen kann, die Existenz eines Gottes ist extrem unwahrscheinlich und nicht, dass es keinen Gott gibt, muss ich mich streng genommen als Agnostikerin bezeichnen. Agnostiker hat jedoch einen weich gespülten, lauen, „nicht Fisch, nicht Fleisch“-Beigeschmack, der mir missfällt und der nicht zu meiner Weltanschauung passt.

Schlussendlich ist nicht entscheidbar, ob es Gott wirklich gibt oder nicht. Da es das nicht ist, denke ich, sollten wir auf die Rede von Gott, auf das Berufen auf Gott usw. verzichten, ganz einfach auch, weil dies mehr Unheil als Heil über die Menschen gebracht hat und ja immer noch bringt.

Denn wer sich auf Gott beruft, macht sich unangreifbar, benutzt, im Gegensatz zum nicht religiösen Menschen, nicht nur Argumente, die in der menschlichen Welt beheimatet sind und daher diskutierbar, abwägbar, kritisierbar etc. sind, sondern nimmt zusätzlich noch Argumente, die ihrem Anspruch nach einer höheren, eben göttlichen Ebene angehören und durch menschliche nicht aufgehoben werden können.

Das ist eine – wohlwollend gesagt 😉 – erschummelte, pseudo-transzendentale Verstärkung dieser religiösen Argumente, die dazu führt, dass der religiöse bzw. religiös argumentierende Mensch (wie auch viele Esos) vorgibt, über den Dingen zu stehen, über höhere Einsichten zu verfügen, und sich damit selbst überhöht und nicht religiöse Menschen übervorteilt und erniedrigt. Das ist wie Poker mit gezinkten Karten… Und genau das verhindert auch IMHO einen fruchtbaren Dialog zwischen religiösen und nicht religiösen Menschen. Dies und die Argumentation mit dem Jenseits setzt jede rationale, menschliche Argumentation außer Kraft, ist schlussendlich eine nicht hinterfragbare und damit beliebige Argumentation.

Ich bin also genau genommen Agnostikerin, die im täglichen Leben atheistische Standpunkte vertritt und aus o.g. Gründen für ein Leben ohne Gott plädiert. Humanistische, hedonistische, atheistische Agnostikerin, die auch öfter mal von einer tiefen Mystik heimgesucht wird… 😉

Mystik?! Nun hör ich sie schon wieder rufen: Aaaber!?!?

Mit Mystik meine ich keineswegs diesen verworrenen Geisteszustand, dies schwarmgeistig sinnlose Walten, das leider nicht Wenige darunter verstehen. Mystik nenne ich diese spezielle Ergriffenheit beim Anblick eines Sonnenuntergangs oder eines Gewitters, beim Lauschen schöner Musik, dies ergriffene Staunen (das mir auch meinen Platz in dieser Welt, in der unsere Galaxie weniger als ein Staubkorn unter unzähligen ist, klar macht), wenn ich nachts in den Himmel schau, wenn ich Dinge wie die Evolution betrachte, mir ansehe, was wir schon über diese Welt herausgefunden haben und wie fantastisch und unvorstellbar dies oft anmutet.

Die Natur, der Kosmos und – last but not least – der Mensch sind viel faszinierender für mich, bieten mir viel mehr Tiefe, als es eine Religion je könnte.

Ich glaube an die Menschen und wer meint, an einen Gott glauben sei schwer, der soll mal versuchen, an die Menschen zu glauben … 😉

Die Geschichte von der Sandwüste

Ein Strom floss von seinem Ursprung in fernen Gebirgen durch sehr verschiedene Landschaften und erreichte schließlich die Sandwüste. Genauso wie er alle anderen Hindernisse überwunden hatte, versuchte der Strom nun auch, die Wüste zu durchqueren. Aber er merkte, dass so schnell er auch in den Sand fließen mochte seine Wasser verschwanden.

Er war jedoch überzeugt davon, dass es seine Bestimmung sei, die Wüste zu durchqueren, auch wenn es keinen Weg gab. Da hörte er, wie eine verborgene Stimme, die aus der Wüste kam, ihm zuflüsterte: „Der Wind durchquert die Wüste und der Strom kann es auch.“ „Die Geschichte von der Sandwüste“ weiterlesen

Gibt es ein Leben nach der Geburt?

Ein ungeborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch seiner Mutter: „Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?“ fragt der eine Zwilling. – „Ja auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden stark für das was draußen kommen wird.“ antwortet der andere Zwilling.

„Ich glaube, das ist Blödsinn!“
sagt der erste. „Es kann kein Leben nach der Geburt geben – wie sollte das denn bitteschön aussehen?“ „Gibt es ein Leben nach der Geburt?“ weiterlesen